Das Kircheninnere

1961 überreichte der Steinmetz der Firma Irmert dem GKR einen Kostenvoranschlag mit Zeichnungen für eine Neugestaltung des Chores mit Altar, Kanzel und Taufstein, ausgeführt in Travertin. Eine Neuverglasung der Fenster, der Abriss der Empore und die kirchenamtlich nicht genehmigte Neugestaltung des Chores wurde vom GKR beschlossen und durchgeführt. Das Kruzifix wurde von dem Künstler Georg Tyllack aus Berlin-Lichtenberg geschaffen. 1986 wurde die Kirche das letzte Mal renoviert.

Die Orgel

1706 wurde die erste einfache Orgel aufgestellt. 1850/52 wurde beim Umbau der Kirche die Orgel repariert. 1880 erhielt die Gemeinde eine neue Orgel. 1971 wurde eine Orgel der Firma Schuke aus Potsdam mit zwei Manualen, Pedal, 14 Registern und mechanischem Antrieb erworben. 2008 wurde die Orgel für ca. 9.000 € generalüberholt.

Der Turm

Nach 1600 wurde ein Turm nachgewiesen, der den Westgiebel bildet. Heute sind noch die stärkeren Wandpfeiler im Inneren zu sehen. 1722 wich er einem massivem Dachreiter. Im Zuge der Umbauten wurde dieser 1852 entfernt und ein neuer Turm errichtet. 1881 wurde die Glockenbenutzung untersagt, da sich durch Schwamm der Turm auf der Südwest-Seite senkte. Eine Reparatur im Jahr 1883 hielt aber die Senkung nicht auf. So wurden die Glocken ausgebaut und ein Glockenstuhl auf dem Kirchhof errichtet. Im Jahre 1884 wurde der Neubau des heutigen Turmes beschlossen. 1886 erfolgte der Bau des Turmes in neogotischem Stil mit Wetterfahne und Jahreszahl 1886 an der Südseite der Kirche. Seit 1970 befinden sich drei Glocken aus Apolda im Glockenstuhl.

Zur Geschichte der Kirche

Die in der Mitte des Angers gelegene Kirche ist das älteste und kulturhistorisch wertvollste Gebäude des Ortes Französisch Buchholz. Sie wurde vermutlich bald nach der Dorfgründung errichtet, wahrscheinlich durch Mönche des 1180 gegründeten Lehniner Zisterzienser Klosters.

Das Dorf Buckholtz wird 1242 das erste Mal in einer Urkunde erwähnt, die den Besitz des Klosters festlegt. Wohl bis zum Jahre 1250 wird der älteste Teil der Kirche erbaut: ein Langhaus mit Rundbögen im Portal, einer flachen Balkendecke und kleinen rundbogigen Fenstern. Als Baumaterial dienten die in der Feldmark reichlich vorhandenen Feldsteine. Es ist das billigste und zugleich haltbarste Material. Die Steine wurden passgerecht behauen und an den Ecken geglättet. Noch heute sind an dem Dachstuhl aus dem 13. Jh. die Merkmale einer ehemals vorhandenen Balkendecke zu erkennen. Um 1600 wird unter die Balkendecke ein von Wandpfeilern getragenes Kreuzgratgewölbe eingezogen.

Am 1. November 1539 empfingen Kurfürst Jachim II. von Brandenburg und seine Frau das heilige Abendmahl nach evangelischem Ritus durch den Weihbischof Mathias von Jagow in der Nicolaikirche zu Spandau. Einen Tag später folgten Rat und Bürgerschaft von Berlin und Cölln dem Beispiel des Landesfürsten. Somit war die Reformation in Brandenburg eingeführt. Nach einem Protokoll von 1541 werden für Buchholz eine Kirche, Küsterei und Küsterhaus sowie ein Pfarrhof erwähnt, jedoch kein Pfarrhaus. Für Buchholz ist seinerzeit der Blankenburger Pfarrer zuständig gewesen.

Die konfessionellen Konflikte in Europa in dieser Zeit, standen den aktuellen in der arabischen Welt heute in Nichts nach, was Brutalität, Grausamkeit, Unmenschlichkeit und Irrsinn anbelangt. So zwang das Verbot des Protestantismus in Frankreich durch Ludwig XIV. zahlreiche Hugenotten zur Flucht nach Deutschland, wo sie eine neue Heimat fanden. Mit dem Toleranzedikt bot Kurfürst Friedrich Wilhelm seinen Glaubensgenossen eine freie und sichere Niederlassung in Brandenburg an. So kam es, dass sich zahlreiche Hugenottenfamilien in Französisch Buchholz ansiedelten, das Leben des Dorfes maßgeblich prägten, bisher völlig unbekannte Gemüsesorten wie Brokkoli und Chicoree anbauten und die Dorfkirche mit neuem Leben füllten.

Ab 1689 wurde die Kirche von der evangelisch-lutherischen und der französisch-reformierten Gemeinde als Simultankirche genutzt. Die französische Gemeinde drang auf eine Renovierung des Gotteshauses. Die Kirche erhielt eine neue barocke Ausmalung und Ausstattung: Altar, Kanzel sowie einen Taufengel. 1705 und 1896 wurden je zwei größere gewölbte Fenster eingefügt, um die Lichtverhältnisse zu verbessern. 1814 wurde das Langhaus nach Osten verlängert und eine Apsis angefügt.

Da schon im Jahre 1830 für die Gemeindeglieder 375 Plätze benötigt wurden, aber nur 225 vorhanden waren, wurde 1852 die Kirche durch den Bau eines Querschiffes mit Apsis erweitert. Dabei wurde eine Drittel der alten Kirche abgetragen. Dem alten Feldsteinbau wurde ein Querschiff aus Backstein östlich vorgelagert. Staffelgiebel an beiden Seiten des Querschiffes und der westlichen Eingangsfont geben dem Bau ein einheitliches äußerers Erscheinungsbild. Mit diesem kompletten Umbau verschwandt die barocke Innenausstattung.

Im zweiten Weltkrieg wurden die Orgel, ein Teil der Inneneinrichtung, Dachstuhl und Turm zerstört und von 1949 bis 1951 provisorisch repariert. Dabei wurde der im Mittelgang gelegene Pfeiler entfernt, der den Dachreiter auf der Ostseite trug.

In den Jahren von 2010 bis 2013 wurde die Kirche denkmalgerecht restauriert und instandgesetzt. In der neuen Turmkugel befinden sich wieder die Münzen und Dokumente, die immer hineingelegt wurden, wenn die Kugel bei Sanierungsarbeiten geöffnet wurde. Die Ältesten sind auf das Jahr 1668 datiert. Es sind auch Schriftstücke darunter, die an die Zeit der hugenottischen Einwanderer erinnert. Jetzt ist auch ein Gemeindeblatt aus dem Jahr 2013 dabei.

Die Geschichte der Dorfkirche Französisch Buchholz zeugt auch heute noch von gelungenem Miteinander, von den Chancen, die sich bieten, wenn Fremde und Fremdes angenommen und als Bereicherung der eigenen Lebenswelt entdeckt werden. Gerade in unserer Zeit, in der wir wieder vor der Herausforderung stehen, Menschen, die aus ihren Heimatländern vor Kriegen, Verfolgung und religiösen Konflikten geflohen sind, willkommen zu heißen, soll uns unsere Dorfkirche an Werte der Freiheit, Toleranz und Menschenwürde erinnern. Darum müssen wir sie weiterhin sorgsam pflegen und erhalten. Dazu leisten vor allem die Gemeindeglieder aber auch all die Bürgerinnen und Bürger der verschiedenen Netzwerke, Vereine und Förderkreise durch ihr Engagement einen wertvollen und entscheidenden Beitrag. Seit 2015 engagiert sich die Gemeinde für geflüchtete Menschen in unserer Nachbarschaft, ein Unterstützerkreis gründet sich. Dieser schließt sich dem Unterstützerkreis „Wackenbergstraße" an.

 
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